Der Akustocerebrograf von Sonovum

Digital Health Champions: Sonovum macht sichtbar, was bisher verborgen war

In der Beitragsreihe Digital Health Champions sprechen wir mit Akteuren aus dem Bereich der digitalen Gesundheit. Den Anfang macht Konrad Sell von der Sonovum AG. Die in Leipzig angesiedelte Sonovum AG hat sich darauf spezialisiert bisher unsichtbare Vorgänge im Gehirn sichtbar zu machen und Probleme so früher zu erkennen.

Bitte stellen Sie sich kurz vor. Was macht die Sonovum AG?

Sonovum stellt als bisher einziges Unternehmen weltweit eine nicht-invasive Lösung bereit, um kleinste pathologische Veränderungen der Hirngewebsstruktur festzustellen. Grundlage dafür ist die Kombination aus Molekularer Akustik und verschiedener Machine Learning-Algorithmen. Über veränderte Eigenschwingungen der Moleküle lässt sich damit auf Veränderungen im Gehirn schließen.

Was ist der einzigartige Reiz des Unternehmens?

Wir machen hör- und sichtbar, was bisher im Verborgenen lag!

Ein Alleinstellungsmerkmal ist zudem, dass wir die Hard- und Software selbst entwickeln, um alle verwendeten Daten selbst zu erfassen. Wegen der (potentiell) kritischen Situation, in der sich unsere Probanden und spätere Patienten befinden, haben wir uns für diese Lösung entschieden. Viele andere Unternehmen verwenden vorhandene Daten und werten diese lediglich neu aus.

Was war die größte Herausforderung bei der Entwicklung des Produktes?

Der lange und kleinteilige Prozess von der Idee über die Entwicklung hin zum zugelassenen Produkt.

Was war der bisher größte Erfolg?

Für mich persönlich war es die erfolgreiche Teilnahme beim Elevator-Pitch-Wettbewerb an der HHL Leipzig im vergangenen Jahr. Wir hatten nur einen Zwei-Minuten-Slot, aber unter den zehn Start-ups konnten wir uns durchsetzen!

Für unser Unternehmen ist sicherlich die Zertifizierung nach DIN EN ISO 13485 einer der größten Erfolge. Die Zertifizierung ging bei uns reibungslos vonstatten und wurde im ersten Anlauf erteilt.

Welche Meilensteine stehen in nächster Zukunft für das Unternehmen an?

Nach Zulassung des Geräts als Klasse IIa Medizingerät streben wir die Zulassung der Akustocerebrografen nach Klasse IIb an. Damit kann das Produkt auf Intensivstationen eingesetzt werden, wo es unserer Meinung nach als Permanentüberwachung den größten Nutzen bringt.

Das Team der Sonovum AG

Das Team der Sonovum AG

Welche Entwicklung im Bereich Digitale Gesundheit schätzen Sie als am bemerkenswertesten oder relevantesten ein?

Big Data war mal das Bemerkenswerteste, ist denke ich mittlerweile aber fast „kalter Kaffee“ und nur noch eine Grundlage. Viel größere Baustellen wird die Verbindung von AI und VR/AR bescheren. Und diese Aussage ist wertfrei gemeint – technisch ist viel möglich, was daraus gemacht wird, ist eine andere Sache.

Welche wegweisenden Produkte oder Dienstleistungen sind Ihrer Meinung nach in nächster Zeit zu erwarten?

Unser Produkt natürlich (lacht). Nein, Spaß beiseite; ich denke alle Bereiche, in denen Maschinenlernen und Gamification auf Medizin treffen, werden wegweisend sein. Genauso alle Bereiche, in denen tradierte Kommunikationswege aufgebrochen werden. Einen sehr inspirierenden Vortrag dazu hat Ray Kurzweil auf der CeBIT dieses Jahr gehalten.

Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung im Bereich Digitale Gesundheit?

Die aufkommenden ethischen Fragen sind eine riesige Herausforderung. Existieren bspw. bereits Daten, die darauf schließen lassen, dass bestimmte Patienten später einen tödlichen Schlaganfall erleiden, muss man sich fragen, wer über diese Daten verfügen darf. Müssen und dürfen Betroffene darüber informiert werden und darf man mit solch einem Wissen Geld verdienen? Datenschutz greift da zu kurz, weil die Frage danach am Ende nur eine technische Antwort hat, die aber keine ethischen Anhaltspunkte liefert.

Welchen Rat würden Sie Absolventen geben, die Teil des Digitalen Gesundheitswesens werden möchten?

Lernt programmieren! Setzt euch mit den Entwicklungen und zukünftigen Geschäftsmodellen im digitalen Gesundheitswesen auseinander – welche Aufgaben wird es in 5, 10 oder 25 Jahren noch geben? Qualitative Diagnosen beispielsweise treten angesichts quantitativer Auswerteverfahren sicher weiter in den Hintergrund. Kreative Aufgaben und das Programmieren werden viel eher bestehen.

Welche Eigenschaften sollte ein idealer Kandidat haben?

Das ist natürlich davon abhängig, ob man eine Konzernkarriere anstrebt oder bei einem Start-up anfängt. Aber: Flexibilität ist enorm wichtig. Genauso: interkulturelle Kompetenz. Zweites ist zwar nicht für alle Bereiche gleich wichtig, da aber global alles näher zusammenrückt, wird es immer wichtiger.

Was sind 3 Schlüsselerfahrungen aus Ihrer bisherigen Tätigkeit im Bereich der digitalen Gesundheit? Was können Sie neuen Akteuren mit auf den Weg geben?

  • Traut euch, Risiko einzugehen und auch mal auf die Schnauze zu fallen. Wenn etwas schiefgeht: hakt es ab und lernt aus den Fehlern.
  • Seid euch immer über die Geschichte und die Ziele des Unternehmens bewusst, besinnt euch immer wieder darauf zurück, was man eigentlich machen will. Je besser man sich darüber im Klaren ist, desto besser kann man es sowohl nach außen, wie auch nach Innen verbalisieren.
  • Feilt an euren Verhandlungsgeschick! Verhandlungen sind keinesfalls aufs C-Level beschränkt, sondern gehören zum Tagesgeschäft. Ich habe viele gesehen, die da falsch rangehen, weil sie einfach zu wenig darüber wissen. Das kann allen Seiten enorm schaden.

Das Gespräch haben wir mit Konrad Sell geführt. Vielen Dank dafür!

Konrad Sell

Konrad Sell, Leiter Marketing/PR & Vertrieb bei der Sonovum AG

Konrad Sell verantwortet als Marketing- und Vertriebsleiter den Außenauftritt der Sonovum AG sowie den Vertrieb der Akustocerebrografen.

Als Kommunikations- und Vertriebstrainer bringt er über 15 Jahre Erfahrung aus den Bereichen Erneuerbare Energien, Softwareentwicklung, Urban Farming, Kultur sowie aus der Jugend- und Erwachsenenbildung mit. Zuletzt war er bei einem international tätigen Unternehmen der Photovoltaik-Branche als PR-Referent, Pressesprecher und Leiter der Training & Sales Academy tätig. Er ist MBA-Absolvent der Handelshochschule Leipzig mit den Schwerpunkten Marketing und Wirtschaftsethik.

Kontakt:

Sonovum AG
Perlickstraße 5
04103 Leipzig
www.sonovum.de
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Theresa Kern

Theresa Kern

Theresa ist Master-Studentin und Teil des beta|career-Teams 2017.

Sie ist zuständig für die Entwicklung der Digital Health Plattformen und gelegentlich für die Koordination der Teamausflüge. Ihre Freizeit verbingt sie am liebsten auf dem Pferderücken.
Theresa Kern