Admir Kulin

Digital Health Champions: Connected Health mit m.Doc

Admir Kulin hat die Vision „Connected Health“ in Deutschland umzusetzen. Dafür hat er die Gesundheitsplattform m.Doc ins Leben gerufen. Ziel ist es, Patienten zu ermöglichen immer einen Arzt dabei haben können, egal ob zu Hause oder Unterwegs. Eine erste öffentliche Anerkennung erhielt das Unternehmen im Juni als bundesweiter Gewinner 2017 der Initiative „we do digital“ des DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag. Mit uns hat Admir Kulin über die Geschichte und die Vision hinter m.Doc gesprochen.

Herr Kulin, bitte stellen Sie sich kurz vor, wer sind Sie und was machen Sie?

Mein Name ist Admir Kulin, ich bin 36 Jahre alt, verheiratet, Vater von zwei Söhnen und Gründer und CEO von m.Doc, einem jungen Kölner Unternehmen, das sich auf die Fahne geschrieben hat, eine ganzheitliche medizinische Versorgung am Point of Care zu gewährleisten. Dafür haben wir eine Gesundheitsplattform geschaffen, mit der Connected Health gelebte Realität wird.

Wie verlief Ihr Weg in die digitale Gesundheitsbranche?

Eigentlich wollte ich immer Medizin studieren. Parallel zu meiner damaligen Karriere als Profi-Basketballspieler hat es aber ‚nur’ zu einem Studium der Sportwissenschaften gereicht. Im Laufe meiner beruflichen Karriere wurde mir dann angeboten, ein großes IT-Projekt für die Nürburgring Automotive GmbH zu leiten. Das waren aus heutiger Sicht wertvolle Erfahrungen, die meinen Weg in die digitale Health Care Branche geebnet haben. Denn dank ihnen wurde mir über einen Headhunter eine leitende Funktion beim Telemedizindienstleister vitaphone GmbH angeboten, wo ich zuletzt als CFO/COO tätig war.

Und was war der ausschlaggebende Punkt für den Schritt in die Selbstständigkeit?

Ich hatte eine klare Vision davon, wie man Connected Health in Deutschland umsetzen kann und die wollte ich verwirklichen. Zudem hatte ich das große Glück, auf Menschen zu treffen, die diese Vision mit mir teilen und gemeinsam umsetzen wollen.

Wir haben uns für den Plattformgedanken entschieden, weil uns dieser in Deutschland die größten Chancen bietet. Einerseits eine ganzheitlich funktionale Lösung und andererseits höchstmögliche Flexibilität. Nur war dieser Gedanke bisher nicht im gesundheitlichen Kontext in Deutschland in dieser Form digitalisiert. Das wollten und wollen wir ändern und daran arbeiten wir mit m.Doc – mit Leidenschaft, hoher Leistungsbereitschaft und bereits sehr erfolgreich.

Die m.Doc Gesundheitsplattform soll connected Health in Deutschland voranbringen

Das Ziel der Gesundheitsplattform ist es, dass der Patient den Arzt immer mit dabei haben kann.

Was war Ihr bisher größter beruflicher Erfolg?

Die digitale Gesundheitsbranche ist jung, dynamisch, disruptiv, aber genau deshalb steht man auch permanent vor vielen Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Das kann man nicht alleine schaffen. Daher sind alle bisherigen Erfolge immer auf die Leistung eines starken Teams zurückzuführen – was vielleicht dann auch mein größter beruflicher Erfolg ist: Mit einem so passionierten, engagierten Team gemeinsam an der digitalen Zukunft der Gesundheitsbranche arbeiten zu dürfen.

Sie sprachen gerade die vielen Herausforderungen an. Was ist ihrer Meinung nach die größte?

Das ist sicherlich die Demografie hierzulande und wie wir damit umgehen. Wir werden immer älter und wollen natürlich auch bis ins hohe Alter fit und agil bleiben. Heute sitzt man als Rentner nicht mehr steif vor dem Haus, sondern macht Sport, genießt aktiv die Freizeit oder spielt mit den Enkeln. Gleichzeitig sorgt der demografische Wandel für einen Fach- und Hausärztemangel, den es zu adressieren gilt. Wir müssen die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen also deutlich effizienter Einsetzen und das kann meiner Meinung nach ohne Telemedizin nicht gelingen.

Welche Entwicklungen im Bereich der digitalen Gesundheit schätzen Sie als bemerkenswert und relevant ein?

Natürlich könnte ich an dieser Stelle die unzähligen technischen Highlights aufzählen, die die Digitalisierung der medizinischen Versorgung überhaupt erst möglich machen. Doch erstens wissen wir alle um diese rasante Entwicklung und zweitens glaube ich, dass die eigentliche ‚kleine Revolution’ vom Nutzer ausgehen wird – und zwar von Patienten, Ärzten und medizinischem Fach- und Pflegepersonal gleichermaßen.

Wir sehen bereits, wie erste digitale Helfer in Form von Wearables langsam zur Selbstverständlichkeit werden und glauben, dass diese Akzeptanz der Nutzer eine der relevantesten Entwicklungen für die Branche sein wird.

m.Doc soll nicht nur Patienten helfen, sondern auch Ärzten den Praxis- und Klinikalltag erleichtern.

Wie wird digitale Gesundheit das Leben und die Gesellschaft in fünf, zehn und 25 Jahren verändern?

Dass digitale Gesundheit das Leben und die Gesellschaft verändern wird, steht außer Frage. Das Wie ist hingegen schwieriger zu beantworten.

Auf kurze Sicht, also in den nächsten fünf Jahren, wird die angesprochene wachsende Akzeptanz der Nutzer sicher viele der heutigen Strukturen aufbrechen. Was wir langfristig zu erwarten haben, hängt stark vom technologischen Fortschritt ab, der aber dank Buzzwords wie Big Data oder künstlicher Intelligenz sicher atemberaubend sein wird. Was wir jedoch nicht vergessen sollten: Der Faktor Mensch wird im Gesundheitswesen immer eine bedeutende Rolle spielen, heute, in fünf, zehn und auch noch in 25 Jahren.

Welchen Rat geben Sie Absolventen, die Teil des digitalen Gesundheitswesens oder eines digitalen Gesundheits-Startups werden möchten?

Der wohl wichtigste Ratschlag, den ich geben kann, lautet: Anders sein, anders denken. Denn einer Revolution geht immer ein Rütteln an bestehenden Strukturen voraus. Im Englischen nennt man es auch ‚Out-of-the-Box-Thinking’.

Wichtig ist meiner Meinung nach außerdem, dass man sich inhaltlich breit aufstellt. Man muss in mehreren Disziplinen fit sein, darf nicht in Silos denken und muss bereit sein, über den Tellerrand hinaus zu schauen.

Welche neue, relevante Perspektive sollten Absolventen für Unternehmen der digitalen Gesundheitsbranche mitbringen?

Für mich ist es unabdingbar, dass Absolventen Zusammenhänge erkennen können. Wir arbeiten in einer Branche, in der es darum geht, Lösungen zu finden und dafür gilt es, Probleme und ihre Zusammenhänge zu begreifen.

Welche drei Eigenschaften bringt ihr idealer Kandidat mit?

  • An erster Stelle steht für mich klar die Teamfähigkeit. Gerade in der digitalen Welt ist ein gemeinsames Agieren sehr wichtig.
  • Kreativität ist sicher ebenso nötig, um Out-of-the-Box zu denken.
  • Darüber hinaus ist für mich das Commitment entscheidend. Denn so schnelllebig die digitale Revolution auch ist, Beständigkeit im Team ist wichtig, um wirklich nachhaltig etwas verändern und bewirken zu können.

m.Doc Application Ecosystem

Sie erwähnten in Ihrem Vortrag bei der eHealth Konferenz in Köln, dass Sie zurzeit den Eindruck haben, dass es unmöglich ist Telemedizin in Deutschland zu etablieren. Können Sie dies kurz für unsere Leser ausführen, sodass diese Ihren Standpunkt nachvollziehen können?

Das ist an dieser Stelle etwas aus dem Zusammenhang gerissen. Was ich auf der eHealth Konferenz in Köln angesprochen habe, sind die vielen Herausforderungen, die es zu adressieren gilt und die zunächst einmal nichts mit der Digitalisierung an sich zu tun haben.

Damit meine ich beispielsweise die schwierige flächendeckende Einführung von telemedizinischen Lösungen, die Herausforderungen rund um die Finanzierung von Projekten aber auch die digitale Verfügbarkeit von Patienteninformationen, den Austausch dieser Informationen oder die Abrechenbarkeit von digitalen Gesundheitsleistungen – nur um ein paar davon zu nennen.

Es zeigt aber, was für eine Mammutaufgabe vor uns liegt. Denn der Status Quo ist sicher alles andere als entgegenkommend für die digitale medizinische Versorgung. Deshalb gilt es nun, innerhalb der bestehenden Strukturen Lösungen zu finden, Lösungen, die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen und an denen alle Akteure gemeinsam arbeiten – um das Unmögliche möglich zu machen.

Für wie wichtig schätzen Sie den Beitrag der Telemedizin für die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens ein?

Aus der Telemedizin kommen derzeit sicherlich spannende und richtungsweisende Impulse. Daher halte ich den Beitrag für sehr wichtig. Es sind aber auch die Impulse aus dem Gesundheitswesen heraus, die die Telemedizin in Deutschland weiter etablieren.

Ein Beispiel ist sicher der stationäre Krankenhausbereich, der mit Patient Journeys und anderen Digitalisierungsinitiativen für den nächsten Anschub sorgt. Impulse für die Digitalisierung des Gesundheitswesens kommen aus verschiedenen Bereichen und Richtungen – von innen und von außen. Der Erfolg wird am Ende von der Zusammenarbeit aller Akteure abhängig sein. Daher brauchen wir immer auch den respektvollen Austausch und Dialog.

Welche Rolle schreiben Sie der Digitalisierung allgemein für die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems zu?

Das hatte ich eingangs bereits betont: Ohne den effizienteren Einsatz medizinischer Ressourcen wird es die qualitativ hochwertige medizinische Versorgung, wie wir sie heute kennen, künftig nicht mehr geben. Daher brauchen wir digitale Lösungen für die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems. Wir sichern uns mit der Digitalisierung aber auch ein wertvolles Exportgut. Denn die medizinische Versorgung ‚made in Germany’ hat international einen hohen Stellenwert, den wir weiter ausbauen und stärken können.

Admir Kulin, vielen Dank für das Interview!

Admir Kulin bei der feierlichen Übergabe des wedodigital Preis

Copyright DIHK / Jens Schicke
Foto mit DIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Wansleben (links) und Carsten Lexa, G20 YEA President Germany (rechts) und Admir Kulin bei der feierlichen Übergabe des wedodigital Preis am 15.06.2017 in Berlin.

Admir Kulin ist in den Neunzigern während des Balkankonflikts nach Deutschland gekommen, wo er zunächst eine Karriere als Profi-Basketballspieler und -Trainer startete. Parallel dazu studierte der heute 36-jährige Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Sportmanagement und Controlling. In diesen Bereich verschlug es ihn zunächst auch nach seiner Karriere im Profi-Sport – als Leiter Controlling zur Label of Sportswear GmbH.

Den Weg in die Gesundheitsbranche ebneten Kulin seine IT-Erfahrungen, die er während seiner Zeit bei der Nürburgring Automotiv GmbH sammelte, wo er in leitender Funktion ein großes IT-Projekt verantwortete. Das zog die Aufmerksamkeit der Vitaphone GmbH auf sich, wo er zuletzt Mitglied der Geschäftsleitung war. Heute verantwortet Admir Kulin als Geschäftsführer der m.Doc GmbH die gesamte Ausrichtung des jungen Unternehmens, ist Spezialist für den Gesundheitsmarkt und nicht nur für seine innovativen Ideen und Geschäftsmodelle bekannt, sondern auch als Sprecher für IT und Health Care-Themen deutschlandweit gefragt.

Kontakt:

m.Doc GmbH
Geschäftsführung: Admir Kulin
Kölner Straße 101, 50859 Köln
E-Mail: [email protected]
Homepage: www.mdoc.one

m.Doc online:

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Theresa Kern

Theresa Kern

Theresa ist Master-Studentin und Teil des beta|career-Teams 2017.

Sie ist zuständig für die Entwicklung der Digital Health Plattformen und gelegentlich für die Koordination der Teamausflüge. Ihre Freizeit verbingt sie am liebsten auf dem Pferderücken.
Theresa Kern