Berufsfeld Digital Health Consulting Berufsfindung

Digitale Affinität gibt den Ausschlag: Berufsfeld Digital Health Consulting

In einer Serie von Experten-Interviews beleuchten wir das Umfeld des Digital Health Ökosystems. Den Anfang machen wir mit einer Unternehmensberatung – und damit direkt mit einem jener peripheren Segmente aus dem Berufsfeld Digital Health, das für Studierende wie Absolventen gleichermaßen zu den absoluten Favoriten gehört. Consulting und die Gesundheitswirtschaft – wie passt das zusammen?

Wir haben dazu mit Samuel Schurmann gesprochen, Consultant bei der Mücke, Sturm & Company GmbH mit dem Stammsitz in München. Das Beratungsunternehmen zählt zu den Spezialisten für den Bereich Digital Health.

Samuel Schurmann selbst ist Mitglied des Mücke, Sturm & Company Digital Health Competence Centers.

Wie können wir uns Ihren Arbeitsalltag als Berater im Bereich „Digital Health“ vorstellen? Womit beschäftigen Sie sich von Montag bis Freitag?

Schurmann: Der Berateralltag ist voller Abwechslung, sodass es keinen geregelten Ablauf gibt. Zum einen gibt es das Projektgeschäft, welches einen großen Teil der wöchentlichen Zeit einnimmt. Zum anderen arbeitet man als Berater bei Mücke, Sturm & Company an Sales-Präsentationen oder Veröffentlichungen, sowie der Entwicklung von Methoden. Thematisch geht es bei uns vor allem um die Frage, was Digitalisierung für Krankenhäuser und Krankenversicherer bedeutet. Wir analysieren Entwicklungen am Markt und identifizieren neue Potenziale für unsere Kunden.

Was fasziniert Sie an der jungen Branche der Digitalen Gesundheitswirtschaft? Was frustriert Sie? Gibt es aus dem Umfeld der Digital Health Industrie eine besonders interessante Projekterfahrung, die Sie mit uns teilen können?

Samuel Schurmann Mücke Sturm und Company

Samuel Schurmann, Mücke, Sturm & Company

Schurmann:  Faszinierend an der Digitalen Gesundheitswirtschaft ist, dass wir mit den heutigen technischen Möglichkeiten einen unglaublich großen Wissensschatz anhäufen und auswerten können. Digitalisierung ermöglicht die gezielte Verknüpfung von Informationen zur Ableitung völlig neuer Erkenntnisse. Dies wird die Gesundheitsbranche nachhaltig verändern, wovon nicht nur Kostenträger und Leistungserbringer, sondern vor allem auch Patienten profitieren werden. Herausfordernd sind natürlich zum einen datenschutzrechtliche Bestimmungen, zum anderen langjährige und schwierige regulatorische Prozesse, wofür die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und das damit verbundene E-Health-Gesetz das beste Beispiel sind.

Spannend war in diesem Kontext ein Beratungsprojekt, welches wir für einen Krankenversicherer in der GCC-Region [Gulf Cooperation Council, Staatenbund der arabischen Halbinsel, der Kuwait, Bahrain, Saudi-Arabien, Katar, Vereinigte Arabische Emirate und Oman umfasst, Anmerkung der Redaktion] durchgeführt haben. Dort gelten ganz andere Regeln als in Deutschland, was Unternehmen einen anderen Handlungsspielraum gibt.

Wie werden sich Consulting-Projekte in dieser Branche in den nächsten Jahren entwickeln? Welche Probleme müssen bis 2020 und darüber hinaus gelöst werden? Ist Deutschland Ihrer Einschätzung nach ein guter Standort, für das Berufsfeld Digital Health zu arbeiten?

Schurmann: Krankenkassen verstehen das Potenzial von Digitalisierung zunehmend, was sich positiv auf Consulting-Projekte auswirkt. Die größte Herausforderung ist es zu verstehen, welche wertschaffenden Möglichkeiten sich aus der Verknüpfung und Auswertung verschiedenster Daten ergeben und vor dem Hintergrund der Datenschutzkonformität auch machbar sind. Deutschland ist ein guter Standort um im Bereich Digital Health zu arbeiten. Steigende Gesundheitsausgaben und eine alternde Bevölkerung sind Herausforderungen bei denen Digitalisierung einen wichtigen Wertbeitrag leisten kann.

Worauf sollten sich Absolventen vorbereiten, die im Bereich Digitale Gesundheits-wirtschaft einsteigen wollen? Welche Qualifikationen oder Skillsets sollten Studierende oder Absolventen für das Berufsfeld Digital Health mitbringen? Welche Fähigkeiten vermissen Sie aktuell, was wird in den nächsten Jahren besonders benötigt?

Schurmann: Zu den wichtigsten Fähigkeiten eines Unternehmensberaters im Digital Health Umfeld gehören exzellente analytische Fähigkeiten, Kreativität und eine hohe Motivation das stark regulatorisch geprägte Gesundheitswesen auf den Kopf stellen zu wollen. Weiterhin ist es wichtig, dass Absolventen eine starke digitale Affinität mitbringen, also neugierig verschiedenste digitale Angebote ausprobieren. Dazu gehören natürlich auch Angebote aus dem Fitness- und Gesundheitsbereich, aber auch Angebote aus diversen anderen Branchen. Ein erfolgreicher Berater versteht es, digitale Trends und Entwicklungen von einer Branche auf eine andere zu transferieren.

Samuel Schurmann, vielen Dank!

Mücke Sturm und Company

Weitere Informationen zu Mücke, Sturm & Company finden sich online, ebenso wie zum Competence Center Digital Health.

Studierenden und Absolventen mit Interesse am Berufsfeld Digital Health empfiehlt Samuel Schurmann folgende Bücher und Links:

  • Eric Topol: The Patient Will See You Now: The Future of Medicine is in Your Hands
  • Eric Topol: The Creative Destruction of Medicine: How the Digital Revolution Will Create Better Health Care
  • mobihealthnews.com: Nachrichten aus dem Bereich Digital Health (englisch)

 

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Dieter Welfonder
Social Media

Dieter Welfonder

Gründer bei beta|careers
Dieter Welfonder ist Gründer der Plattform für digitale Zukunftsbranchen beta|careers und Lehrbeauftragter für Innovations- und Nachhaltigkeitsthemen.

Er leitet Seminare zum Thema "Digitale Transformation" und „Business Model Generation für nachhaltige Startups" an Hochschulen und Universitäten in NRW.

Als Coach und Mentor unterstützt er bei Startup-Wettbewerben Gründerteams unter anderem bei der Entwicklung der Geschäftsmodelle und digitaler Marketingstrategien.
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